FESTTAGSAUSGABE 2022
03 I 2022
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WEIHNACHTEN UNTER PALMEN: SO FEIERT MAN AUF DEN PHILIPPINEN

VON ALYSSIA GROSSE

Wie verbringt man eigentlich die Festtage bei 28 Grad in einem fremden Land? Für Thomas Koscheike startet das neue Jahr schon seit 17 Jahren auf den Philippinen. Bantayan Island ist seine zweite Heimat geworden. Auf der Insel hat er sich vor vielen Jahren mit seiner Frau ein Haus gekauft. Uns erzählt Thomas, wir er die Feiertage im Westpazifik verbringt und warum Weihnachten für die Philippinos ein ganz besonderes Fest ist.

Die Philippinen sind ein Inselstaat und Archipel im westlichen Pazifischen Ozean. Mit rund 110 Millionen Einwohnern sind die Philippinen der dreizehntgrößte Staat der Welt. Die Bevölkerung besteht aus dutzenden verschiedenen Ethnien und Kulturen. Touristen lockt neben den weißen Stränden und Tauchparadiesen das reiche kulturelle Erbe. Es ist ein christlich geprägtes Land und die zweite Amtssprache Englisch. 

TIPP: Wer auf die Philippinen fliegen möchte, sollte am besten über einen Spezialanbieter buchen, der sich auskennt. In den Monaten Februar bis April ist die beste Zeit, um dorthin zu reisen. Bohol, Batayan Island und Palawan sind Inseln, die Thomas empfehlen kann. Sie sind alle unterschiedlich. In Oslob bei Cebu kann man in der Mittagszeit mit Walhaien schwimmen, die täglich in die Bucht kommen. Ein beeindruckendes Erlebnis. 

Thomas, wie kam es dazu, dass du eine so enge Verbindung zu den Philippinen aufgebaut hast? 

Die Liebe bringt Menschen an Orte, die sie sonst nie aufsuchen würden. Ich kannte von den Philippinen nur den Vulkan Phinatubo, der Anfang der Neunziger Jahre durch seinen Ausbruch bekannt wurde. Und ich kannte Manila. Das wars. Da meine Lebensgefährtin von den Philippinen kommt, hat sie zu mir gesagt: „Mensch, wollen wir nicht mal in meine Heimat“?



Ihr habt euch also in Deutschland kennengelernt?

In Deutschland, beim Tanzen. Das war 2004. Wir sind dann 2005 direkt nach Weihnachten zum Neujahrfest das erste Mal auf den Philippinen gewesen. Erst ging es nach Cebu, dann rüber auf die Insel Bohol – ein Taucherparadies mit bunten Korallenriffen und wunderschönen Stränden, wie Alona Beach. Die Insel hat aber auch Regenwald und eine gute Infrastruktur. Mich hat sie sehr begeistert. 


Batayan Island wurde euer zweites Zuhause. Wann habt ihr die Insel kennengelernt?

Das war bei unserem zweiten Urlaub. Ich habe von der Insel im Reiseführer gelesen und mir gesagt „Da muss ich hin“. Diese Insel klang so faszinierend und authentisch. 2008 waren wir dort zum ersten Mal. Man kommt am Hafen an mit der Fähre und wird von einer  bezaubernden Allee begrüßt. Ich habe bei dieser Insel gewusst, dass es meine Insel ist. Die Cousine meiner Lebensgefährtin zeigte uns dann ein paar Häuser und beim zweiten Besuch haben wir uns entschieden, eines davon zu kaufen.

Wie kann man sich euer Haus dort vorstellen? 

Ein wenig im Stil der Südstaaten. Diese Strandhäuser, die man sonst nur in South Carolina sieht. Der Besitzer kam tatsächlich von dort und hat sich sein Haus so gebaut – in blau. Seitdem sind wir jedes Jahr im Dezember und Januar dort.

Wie hast du dein erstes Weihnachtsfest auf den Philippinen empfunden? 

Weihnachten ist dort etwas ganz Außergewöhnliches. Die Philippinen sind eine sehr katholisches Land, deshalb ist ihnen das Fest sehr wichtig. 2010 habe ich das erste Mal Weihnachten dort mit meiner Lebensgefährtin verbracht. Familie ist den Menschen dort sehr wichtig und sie feiern im großen Kreis. Es entstehen tolle Gespräche. Das Land an sich ist wunderschön, aber die wahre Schönheit sind die Menschen in ihrer Art. Die Weise, wie sie miteinander umgehen und auf Fremde zugehen, ist etwas ganz Besonderes. 

Stimmt es, dass die Weihnachtszeit für die Philippinos schon sehr früh beginnt? 

Ende September wird es bunt. Diskussionen, wir hier bei uns, über zu viel Weihnachtsbeleuchtung, gibt es dort nicht. Man ist in diesem armen Land und alles blinkt. Die Leute fiebern darauf hin. In den Nachrichten läuft ein wochenlanger Countdown und im Radio wird typisch amerikanische Weihnachtsmusik gespielt. In Cebu gibt es ein großes Einkaufszentrum im amerikanischen Stil, in dem der ganze Innenhof komplett beleuchtet wird. Jede halbe Stunde gibt es eine Lichtershow und Musik. Alles ist extrem bunt, riesige Weihnachtsbäume aus Metall werden gezaubert und stark geschmückt. Natürlich ist es viel wärmer als bei uns. im Schnitt sind es Ende Dezember 28 Grad. 


Schmeckt der Glühwein noch bei den warmen Temperaturen? 

Den kennen die nicht. Traditionell gibt es Tanduay Rum mit Wasser oder spanisches San Miguel Bier. Das ist dort sehr beliebt. Wein wird kaum getrunken. Wenn die Familie das Neujahr feiert, wird da sogenannte „Lechon“ gegrillt, das man hier als Spanferkel kennt. Dort gibt es das immer an den Feiertagen. 

Werden die Weihnachtsfeiertage so gefeiert wie bei uns? Mit Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen?

Eher wie in den USA: Bescherung gibt es am 25. Dezember. Geschenkt werden viele Kleinigkeiten. Viel einpacken und aufmachen. Kinder müssen etwas vorführen, tanzen oder singen. Das ist ein wesentlicher Brauch. Am 6. Januar endet dann das Spektakel. Der Mann im weißen Bart in roter Robe ist natürlich die zentrale Figur, wie bei uns. Aber Schnee ist für sie fremd, das kennen sie nur aus dem Fernsehen und können sich nicht vorstellen, dass er kalt ist. Sie haben ein Bild vom Winter und von Weihnachten. Weihnachten ist ein Gefühl, das sie in sich tragen.