FESTTAGSAUSGABE 2022
03 I 2022
19/24

BALLAST ABWERFEN: MIT MEHR ORDNUNG INS NEUE JAHR

VON MELANIE JÜLISCH

Aufräumen leichtgemacht: Svenja Kaste bietet einen Rundumservice von der Beratung übers Aussortieren bis hin zum Wegbringen überflüssiger Sachen – je nachdem, welches Paket man in ihrer Funktion als Ordnungscoach (SHE Svenjas Home Edit) gebucht hat. „Nur Putzen übernehme ich nicht“, sagt sie schmunzelnd. „Der Bedarf ist da und nimmt sogar zu“, stellt die gebürtige Friesin immer wieder fest, die mit ihrer Begeisterung stets die richtige Lösung findet. Kein Wunder, dass es erstmals eine Messe zu diesem wichtigen Thema gab: Auf der Orvention in Hanau war die 41-Jährige für die Moderation verantwortlich. Mit ihrem Mann, zwei Kindern und 14 Meerschweinchen lebt sie in Schortens. 

www.svenjashomeedit.de

Du hast ja sicher schon zig Wohnungen und Häuser gesehen. Was ist der häufigste Knackpunkt, der dir sofort ins Auge springt?  

Es ist eigentlich immer dasselbe: Die Leute haben zu viele Dinge. So ist es fast gar nicht möglich, eine (Grund)Ordnung herzustellen. Die funktioniert nur, indem weniger ins Haus reingetragen und dafür mehr hinausgetragen wird. Wenn man nicht regelmäßig mit Sinn und Verstand einkauft und gleichzeitig mit Struktur aussortiert, dann wird das nichts. Der nächste Knackpunkt: Es wurden bislang keine Kategorien geschaffen. Durch den mangelnden Überblick wird wieder mehr gekauft, weil man nicht weiß, was man schon hat. Es ist ein Kreislauf, der sich durch alle Bereiche zieht und den es zu durchbrechen gilt.  Dafür muss man sich also erstmal die aktuelle Situation bewusst machen und dann gezielt gegensteuern.

Was macht denn ein solches Chaos überhaupt mit einem Menschen?

Äußere Unordnung schafft ja gleichzeitig auch eine innere Unordnung. Zum Beispiel habe ich häufig die Rückmeldung, dass jemand gar nicht so gerne nach Hause geht, weil es dort so viel zu tun gibt. Und nicht umsonst fühlt man sich in einer Ferienwohnung oft sehr wohl, da dort alles seine Ordnung hat und nicht zu viele Dinge herumstehen. Diese Haltung entsteht, wenn die Sachen nicht ihren Platz haben. Dadurch weiß ich oftmals gar nicht, was überhaupt angesagt und zu erledigen ist. 

Man gerät also ständig irgendwie unter Druck, oder?

Herumliegende Sachen geben einem ständig das Gefühl, dass sie bearbeitet werden müssen. Das kann die Ablage auf dem Schreibtisch sein, das Zeug auf dem Küchentisch, Papiere, Krimskrams, Goodies von Kindergeburtstagen oder kleinere Geschenke. Aber auch Postkarten oder Fotos sammeln sich irgendwie an und landen auf diesen bekannten Haufen. Gerade kleine Sachen wie Gummibänder oder Stifte kann gut in einer mit kleinen Kisten unterteilten Schublade aufbewahren. Viele Dinge liegen ja nur herum, weil es keine Entscheidung gab – die Entscheidung, sie einzusortieren, wegzuwerfen, zu verschenken oder zu spenden. Wandhalter mit nach Thema Steckfächern können ein guter Ort für erste Entscheidungen sein.

Es ist ja nun nicht immer leicht, sich von Dingen zu trennen…

Das stimmt. Einige Menschen haben vielleicht irgendwann einen großen Mangel erlebt und horten deswegen so viele Dinge. Andere können sich von ihren Erinnerungen nicht trennen. Es steckt also immer auch etwas Psychologisches dahinter. Andererseits ist man dann auch immer sehr stolz, wenn man mal so richtig ausgemistet und sich von Dingen getrennt hat, die einem eigentlich gar nichts mehr bedeuten oder die sogar mit etwas Negativem behaftet sind. Oder Sachen, die einfach nicht mehr zu einem passen. Muss ich wirklich die Hose aus dem Jahr 2001 behalten, in die ich nach meinem ersten Kind nie wieder hineingepasst habe? Irgendwann muss man an diesen Punkt kommen – und darf sich dann auch ein wirklich schönes neues Stück kaufen.

Und wie bringt man nun Ordnung hinein? 

Nehmen wir als Beispiel die Küche. Dort hat man oft ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Tassen im Schrank. Dabei ist der Anblick einheitlichen Geschirrs so viel angenehmer. Sind Gläser, Becher und Teller nur zusammengewürfelt und haben vielleicht sogar schon einen Sprung, dann sollte man sich davon trennen. Das Erste, was ich mit meinen Kunden unternehme, ist daher immer, alles aus einem Schrank oder Regal herauszunehmen und in Kategorien zu unterteilen. So verschaffe ich mir einen Überblick. Meist stellt sich automatisch die Frage: „Brauche ich überhaupt so viel?“ Dann wird aussortiert und strukturiert eingeräumt. Hierfür machen wir vorab eine Zonenplanung, die sogar ausgemessen wird, um die passenden Organizer zu besorgen. Außerdem geht es darum, die Dinge so zu positionieren, wo sie gebraucht werden. Also den Schlüssel in Türnähe, Küchenhelfer griffbereit am Herd und Besteck in der Nähe der Teller. Sind Kinder im Haus, sollten Gläser und Becher auch für sie erreichbar sein.


Und dann sollte alles noch richtig übersichtlich sein?

Ja, aber am besten nach dem Motto „Keep it simple“. Das bedeutet, auch eine Schublade noch mal mit kleinen, dekorativen Kisten zu unterteilen, um einen besseren Überblick zu haben und die Sachen auf Anhieb verstauen und wiederfinden zu können – ähnlich wie bei einem Besteckkasten. So entfällt zeitraubendes Suchen. Dadurch, dass es schön aussieht, entwickelt man automatisch eine positive Beziehung dazu. In einem Schrank kann man für eine bessere Übersicht mit schlichten, transparenten Kisten arbeiten oder man beschriftet sie einheitlich mit schönen Etiketten. So liegt die Weihnachtsdeko oder das selten benutzte Campinggeschirr nicht wild verstreut im Keller oder Hauswirtschaftsraum herum. 


Der Kleiderschrank ist ja für viele ebenfalls ein leidiges Thema…

Das stimmt. Dabei soll die Auswahl der Garderobe genau so viel Spaß machen wie Einkaufen. Das sollte für jeden Tag gelten, nämlich dann, wenn man morgens vor dem Kleiderschrank steht und sich aus den vielen schönen Dingen etwas aussucht, was für diesen Tag am schönsten ist und in dem man sich hundertprozentig wohlfühlt. Ein Prinzip sollte man sich klarmachen: Man trägt meist nur 20 Prozent der Teile, die man besitzt. Die restlichen 80 Prozent liegen ungetragen im Schrank und lassen diesen überquellen. Daher ist gerade hier das Aussortieren so wichtig! Und wenn man das gemacht hat, freut man sich nicht nur über den schönen Schrank, sondern darf sich auch ein neues Lieblingsteil zulegen. Gerade im Schlafzimmer ist es so wichtig, dass man nicht von zu vielen Dingen erschlagen wird und genug Raum zum Atmen hat. Wer mag, sortiert Blusen, Blazer und Co. in einer bestimmten Farbfolge, beispielsweise von Dunkel nach Hell. So entsteht ein ansprechender Verlauf. Die Kleiderbügel sollten selbstverständlich einheitlich sein, ebenso wie Boxen für Gürtel, Tücher oder Socken. So sieht es von vornherein hübsch aus, wen man den Schrank öffnet.


Und wie sieht es im Kinderzimmer aus?

Für Kinder eignen sich übrigens Bilder zum Beschriften ganz gut. So lernen sie schon früh, wo ihre Sachen hingehören und lernen spielerisch, Ordnung zu halten. Ihre Bücher kann man beispielsweise gut nach Regenbogenfarben sortieren. Das sieht dann immer richtig toll aus. Für einen Zweijährigen ist es kein Problem, wenn er weiß, dass sein Auto nach dem Spielen nun in einer bestimmten Kiste wohnt. Bei uns werden die Legosteine übrigens auch nach Farben sortiert. Das kann sehr praktisch sein. Die entsprechende Farbe wird dann vorne an die Kiste geklebt oder mit einem Clip angebracht.



TIPP: Jeden Morgen gut durchstarten

Wer abends seinen Schreibtisch nicht aufräumt, fühlt sich morgens bei seinem Anblick oft wie erschlagen. Doch das muss nicht sein. „Abends einfach alles in eine ausreichend große Kiste räumen und den Deckel draufmachen. Das ist dann auch gleichzeitig das Zeichen für den Feierabend!“