SOMMERAUSGABE
02 I 2023
5/30

ERST DÜSTER, DANN BUNT

© Sigrun Strangmann

VON MELANIE JÜLISCH

Die Wege der Kunst sind oft verzweigt, das hat auch Linda Bäppler vor ein paar Jahren festgestellt. „Schon während meiner Schulzeit in Schleswig-Holstein hat mich mein Kunstlehrer auch beruflich in diesem Bereich gesehen. Nach dem Abi habe ich mir sogar die Akademie der Künste in Berlin angesehen, mich dann aber für etwas anderes entschieden“, so die junge Frau, die heute in Oldenburg lebt. Mehr als zehn Jahre war dies für sie kein Thema mehr – erst vor sieben Jahren wurde sie erneut davon gepackt. „Und seitdem lässt mich diese Leidenschaft auch nicht mehr los“, sagt sie lächelnd und scheint höchstzufrieden mit dieser Entscheidung zu sein. Kein Wunder, schließlich konnte sie bereits an verschiedenen Gruppenausstellungen teilnehmen, beispielsweise in New York oder Mailand, hat Initiativen wie das Hidden Art Project mitbestritten. Auch im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts des Vereins zur Künstlerförderung The White Rabbit zum Thema Dresscode und was Kleidung über einen Menschen aussagt beziehungsweise wie geschlechterspezifisch Kleidung sein muss, hat sie teilgenommen. „Ich weiß nun auch ganz genau, dass die Kunst mein Hauptberuf bleiben wird.“ Derzeit hat Linda Bäppler ihr Atelier wieder zu Hause untergebracht: Als Mama zweier Söhne bietet sich das an, kann sie so doch Familie und Beruf wunderbar miteinander verbinden.

Jedes Werk ein Unikat

Eher selten nimmt Linda Bäppler Auftragsarbeiten an. „Manchmal kommt es vor, dass jemand ein Bild von mir gesehen hat, das aber bereits verkauft worden ist, und nun möchte er das gleiche Bild nochmal haben. Das wird es aber nicht geben, denn jedes meiner Werke ist ein Unikat.“ Die 40-Jährige sieht sich als Mixed Media Artist. Den Ton geben also Mischtechniken an, vieles entsteht mit Acrylfarben, und auch das dem Blattgold ähnliche Schlagmetall wird häufig verwendet. Vom Grundton her wirkt vieles zunächst etwas düster, dann wiederum werden so viele farbige Akzente gesetzt, dass etwas ganz Neues entsteht. Zu ihren Favoriten gehört die Kritzeltechnik mit Edding. „Allerdings sehe ich mich schon nach umweltschonenderen Alternativen zum Edding um. Auch bei der Leinwand oder Keilrahmen versuche ich, bereits Gebrauchtes wiederzuverwerten. Ich freue mich daher immer, wenn jemand so etwas günstig bei ebay verkauft oder gar verschenkt. Die Leinwände werden dann einfach mit Gesso grundiert – und schon kann ich in meinem Stil loslegen.“ Und warum Acryl? „Es trocknet einfach schneller als Öl. Das ist ganz praktisch, wenn ich gerade viele Ideen habe und diese möglichst schnell umsetzen möchte“, lacht die sympathische Oldenburgerin. 

Der Ausdruck zählt

Am liebsten malt Linda Bäppler Porträts oder Paare. „Den Ausdruck des Mundes oder der Augen betonen, mit den verschiedenen Gesichtern und ihrer Mimik spielen – das gefällt mir am meisten.“ Häufig sind es Frauen, die die Künstlerin in ihren Bildern porträtiert, manchmal Männer und ab und zu weiß der Betrachter gar nicht, um welches Geschlecht es sich eigentlich handelt. „Das ist dann auch so von mir gewollt. Meistens kommen die Ideen ja sowieso erst beim Malen an sich.“ Auf keinen Fall möchte sie verkopft ans Werk gehen, viel wichtiger sei es, dass jeder selbst etwas hineininterpretieren soll – was auch mit ganz unterschiedlichen Emotionen verbunden sein kann und einige Menschen sehr berührt. Inzwischen freut sich Linda Bäppler auch über einige Stammkunden. „Es ist auch sehr schön zu wissen, wo das Bild denn nun hängt und wer es sich ansieht.“

Networking ist wichtig

In Zukunft, wenn der kleine Mio etwas älter ist, möchte Linda Bäppler sehr gerne wieder verstärkt Messen besuchen. „Das gibt mir viel Inspiration, und auch der Kontakt zu anderen Künstlern ist mir sehr wichtig. Zuletzt war ich auf der Affordable Art Fair in London, einem bodenständigen Event mit Bildern von Künstlern, die sich auch weniger betuchte Leute leisten können. Man ist da praktisch auf Augenhöhe mit dem Kunden, das ist eine sehr schöne Sache.“


WER MAG ...

stöbert einfach mal in der Online-Galerie von Linda Bäppler unter www.artelinda.de oder bei Barbara Tamm in der Kunstgalerie in der Burgstraße in Oldenburg.