"Ich sehe ein Bild von mir wie ein Möbelstück für die Wand"

Du lebst im Grünen, direkt am See. Lässt du dich von der Natur inspirieren? 

Nein. Ich komme im Geist zur Ruhe durch die Natur, aber ich suche nicht gezielt nach Inspirationen. Plakate, Produktdesign und Grafik inspirieren mich schon eher. Mein Herz schlägt für Formen, Farben und Schrift.

Wie entsteht ein Bild bei dir?

In meinen Bildern sind viele Formen und vor allem Farbe. Ich arbeite immer mit viel Schwung und Dynamik. Motive stelle ich mir nicht vor. Ich arbeite intuitiv und greife einfach zu. Ein harmonisches Gesamtbild ergibt sich oft aus dem Gefühl heraus. Das ist für mich das Schöne an der Malerei: Dass ich auf nichts achten muss und mich fallen lassen kann, ganz aus dem Bauch heraus. Beim Malen denke ich nicht nach und lasse meinem Gefühlen freien Lauf. Mir geht es darum, schöne Farben zu kombinieren und stelle mir vor, wie sich ein Bild in eine Einrichtung einfügt.


Auf deiner Website platzierst du deine Werke anschaulich in modernen Räumen, wie Schlafzimmern, Esszimmern oder Fluren. Warum?


Ich habe auf Social Media schnell damit angefangen, die Bilder einzubetten und optisch so aufzubereiten, dass man eine Vorstellung hat von den Proportionen und wie sich das Bild in den Raum fügt. Letztendlich ist das, was ich mache, erschwinglich Wohnkunst. Ich sehe ein Bild von mir wie ein Möbelstück für die Wand. Ich möchte ein schönes Gefühl für eine Räumlichkeit schaffen. Meine Werke sehen je nach Lichtverhältnissen anders aus. Bei einem Bild, das im Esszimmer hängt, hat jeder, der am Tisch sitzt, einen anderen Blick auf das Bild. Das macht es für jeden spannend. 


Wo entstehen deine Kunstwerke? 

Mein Atelier ist oben bei uns im Haus. Von dort aus habe ich einen Blick auf den See. Dort male ich fast immer. Manchmal habe ich auch im Garten gemalt. Aber bis nach oben sind es sehr,sehr viele Stufen, deshalb überleg ich mir das gut – Denn ich male ganz spontan. Wenn ich hochgehe, weiß ich in der Regel noch nicht, was ich malen möchte und welche Farben ich brauche. Oben habe ich immer alles.

Deine Bilder sind sehr farbenfroh. Spiegelt das auch deine Persönlichkeit wider? 

Ich war schon immer sehr bunt, quirlig und kommunikativ. Das jetzt zu Papier zu bringen ist einfach großartig, weil es mein Naturell ist. Das spiegelt sich durch die Farben wider. Für mich ist die Malerei ein ständiges Experiment in meinem bunten Oberstübchen. Austesten, was funktioniert, was nicht. Ich male immer an mehreren Werken gleichzeitig. Die Kunst der Kunst ist, in den richtigen Momenten aufzuhören, wenn ein Bild fertig ist.

 

Wann ist der richtige Moment?   

Es gibt Bilder, die sind nach ein paar Stunden fertig, an anderen arbeite ich mehrere Wochen.


Du malst noch nicht lange so intensiv. Was hat dich dazu bewegt? 

Ich war schon immer sehr kreativ und habe viel ausprobiert. Doch als mein Vater unerwartet starb, brauchte ich schillernde Farben, um der drückenden Dunkelheit zu entkommen. Das hat überraschenderweise sehr gut funktioniert und schnell fühlte sich die Malerei an, wie ein letztes Geschenk, das er mir vor die Tür stellte.

Mittlerweile sind viele auf deine Kunst aufmerksam geworden und du verkaufst deine Bilder. Wer war dein erster Käufer?

Nach  Monaten fragte jemand an, ob er ein Bild kaufen könnte. Es war ein lieber Freund, dem ich das Bild für ein Abendessen verkaufte. Das haben wir zwar immer noch nicht eingelöst, aber heute wissen wir: Er hat damals einen guten Deal gemacht. Über die Social-Media-Kanäle hat sich der Verkauf verselbständigt und ich bin auch international unterwegs. Es berührt mich, dass sie meine Kunst in ihren privaten Räumen haben möchten ich etwas schaffen kann, was von Dauer ist. 

Deine Werke gehen also auch ins Ausland? 


Ja, ein Werk ging beispielsweise nach London. Das war ein logistischer Aufwand. Ich verkaufe meine Bilder normalerweise gerne in der Region. Dann kann ich sie selbst hinbringen, schön verpacken und sehe, wo es seinen Platz findet. Ich lerne die Leute gern kennen und stelle auch gern in der Region aus. Ich finde es charmant, meine Werke dort auszustellen, wo die Leute verweilen, wie  aktuell bei Kevin Gideon im Restaurant. Mein Wunsch wäre es noch mehr in Oldenburg und Umgebung auszustellen. Meine letzte Ausstellung war in Hamburg. 




Du hast beim Malen kein Motiv im Kopf.  Wie gehst du vor und welche Materialien verwendet du?

Mir gefällt es viel auszuprobieren. Ich arbeite mit Acryl und verwende neben Pinseln auch Verpackungsfolie um bestimmte Mister zu erzeugen. Sprühdosen, Wachsmalstifte und sogar pinke Rosenblätter kamen schon zum Einsatz. Ich habe eine Mentorin, bei der ich Unterricht nehme. Sie zeigt mir alte Künstlertechniken – der rationale Teil meiner Kunst, bei dem ich mich weiterentwickle. Für Aufträge schaue ich mir meist vorher die Umgebung an und arbeite ach Farbschemata. Bei Kevin Gideon waren es zum Beispiel die grünen Stühle, an denen ich meine Farbwelt orientiert habe. Bei Firmen kommt mein Farbklecks auf weißer Leinwand besonders gut an – minimalistisch und schick. Da spricht der Marketing-Hintergrund aus mir und ich schaue, dass das Bild zur Identität des Unternehmens passt.

"Mon cœur", "Silver linings", "Eurydike" - Wie entstehen die Namen für deine Werke? 

Indem ich dem ersten Impuls folge, woran es mich erinnert. Momente, Erinnerungen, Urlaube. „Mon cœur“ zeigt die Zerrissenheit des Herzens. 

"Mon coer"

 

Eine letzte Frage: Was lehrt dich die Kunst? 

Die Erkenntnis, dass aus ganz schlimmen Sachen das größte Geschenk entstehen kann. Wie in meinem Fall. In uns sind geniale Talente, die wir gar nicht kennen. Verborgen in jedem. Manchmal macht es Spaß auch einfach wild zu denken und mal einen Platscher irgendwohin zu hauen.