SEPTEMBERAUSGABE
02 | 2022
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QUIETSCHVERGNÜGT UNTERWEGS

Im leuchtendgelben Friesennerz dem Wetter trotzen

© www.friesennerz.de

VON MELANIE JÜLISCH

Sandburgen bauen, im Schlick rummatschen oder einfach bei stürmischem Wetter einen Drachen steigen lassen – mit dem richtigen Outfit kein Problem. Kleine und große Menschen lieben Kleidung, die nicht nur klasse aussieht, sondern sich den Kapriolen von Petrus perfekt anpasst. Auch ich kann mich noch gut an meinen ersten Friesennerz erinnern. Er war ein wenig schwer, da vorsorglich zwei Nummern zu groß gekauft: Das Kind wächst da ja ganz schnell rein. Mehrere dieser quietschgelben Anziehsachen haben mich und meine Familie über Jahre begleitet – ein Must Have in Deutschland von den 60ern bis in die späten 80er. Was modisch nicht fehlen durfte, hatte eigentlich einen ganz praktischen Hintergrund: Es war ursprünglich ein Kleidungsstück für Fischer und andere Küstenarbeiter, die damit vor Wind und Wetter geschützt sein sollten.

Kultiger Trend aus Dänemark

Auch wenn die gelbe Wendejacke mit der blauen Innenseite allgemein als Friesennerz bekannt ist, so hat sie doch ihren Ursprung im dänischen Hørve – und eben nicht im deutschen Friesland. Dort, in der Nähe von Kopenhagen, gründete Jan E. Ansteen Nielsson 1958 das Sportbekleidungsunternehmen Jeantex mit wetterbeständiger Bekleidung für See- und Radfahrer. 1965 präsentierte er dann erstmals eine Regenbekleidung, die neben der wasserdichten gelb-blauen Öljacke auch einen passenden Hut (den traditionellen Südwester, eine wasserdichte Kopfbedeckung für Seemänner) und Stiefel lieferte. Während die eigentlichen Baumwolljacken und -mäntel der Fischer mit Wachs oder Öl wetterfest gemacht wurden, bestand die Beschichtung des neuen Bekleidungsstücks aus Viskose und synthetischem Kautschauk. 1985 wurde die Versiegelung durch eine länger haltbare PVC-Beschichtung abgelöst. Doch warum ausgerechnet in Gelb? Klar, auch auf dem Wasser kann diese Signalfarbe von Vorteil sein, sind Fischer und Segler doch so insbesondere in der Dämmerung besser sichtbar. Aber eben auch Radfahrer im Straßenverkehr wissen das gute Stück in punkto Sicherheit bis heute zu schätzen. 

Gelbe Regenjacke, genannt Friesennerz, hängt an einem Zaunpfahl am DeichMade in Ostfriesland

Seit etwa zehn Jahren feiert der Friesennerz eine wahre Renaissance – oftmals auch in einer modernisierten Version, unter anderem als taillierte Variante für Frauen. Beispielsweise mit den Hamburger Labels Derbe und Schmuddelwedda oder aber direkt vor der Haustür in Ostfriesland: In Aurich gründeten Sonja und Ralf Andreesen mit dem tomBrook-online-Shop vor fünf Jahren ihren ganz eigenen Vertriebsweg. Allerlei Stimmungsvolles und Wissenswertes findet man außerdem auf ihrer Homepage unter www.friesennerz.de. Auch besitzt tomBrook inzwischen in Esens einen festen Laden, der weitere zünftige Küstenbekleidung vom Fischerhemd bis zum Troyer bietet. "Klar kaufen dort oftmals auch Touristen ein, aber nicht nur den klassischen Friesennerz, sondern auch andere wind- und wetterfeste Funktionsjacken“, so Ralf Andreesen. "Bei allen Modellen, wie übrigens bei vielen Jacken anderer deutscher Marken, stammen die Rohlinge aus China, die hier dann noch mit Details versehen werden.“ Als Großhändler fungiert hier das AS Bekleidungswerk in Wittmund, das seit über 25 Jahren die Original Friesennerze importiert und sie unter dem Label modAS vertreibt.

Mit Nostalgiefaktor

Am wunderschönen Nordseestrand, beim Spaziergang im Wald oder auf Festivals – überall haben die Friesennerze wieder ihren Platz gefunden. "Oftmals wollen unsere Kunden mit dem Kauf eines richtigen Friesennerzes Kindheitserinnerungen wecken“, weiß Ralf Andreesen inzwischen aus Erfahrung. Dabei ist dies eindeutig nicht auf Deutschlands Norden beschränkt: "Durch das Online-Angebot haben wir viele Kunden sogar in Bayern, die beim Surfen im Netz irgendwann auf die Seite stoßen.“

Auch Eltern lieben ihn

Nicht nur Fischer sind mit dem Friesennerz bestens gerüstet. Auch Mamas und Papas lieben die wetterfesten Jacken, Regenhosen, Südwester und Stiefel in leuchtendem Gelb – das hat sich bis heute nicht geändert. Immerhin ist der Nachwuchs so jederzeit gut sichtbar, sei es auf dem Laufrad, im Matsch oder eben auch am Strand, wo man auch bei Regenwetter ausgiebig herumtollen kann.

gut gelaunte Frau im Friesennerz vor einem alten grünen Schiff