Buschig, gezackt oder voll schlichter Eleganz –
ein wahres Meer an Tulpenfülle verschönt uns den Frühling. Sicher hast Du Dir auch schon den ein oder anderen Strauß ins Haus geholt. Nicht nur die Gartenmärkte bieten hier eine riesige Auswahl an Farben und Formen, auch in anderen Geschäften stößt man überall auf diese ersten Frühlingsboten – die schon bald auch in vielen Gärten zu sehen sein werden.
Prachtvoller Farbenrausch
Kurz oder lang, gefüllt oder ungefüllt, weiß oder schwarz: Tulpen können einfach alles. Mit acht Zentimetern Stiellänge punkten die niedrigsten Pflanzen, mit über 70 Zentimetern die königlich hochgewachsenen. Knapp 5000 Sorten weltweit brillieren zudem mit einem schier unendlichen Farbspektrum. Einfarbig, mehrfarbig, mit Streifen, Tupfern oder wie ein verwaschenes Batikshirt, in dezenten Pudertönen oder knalligen Signalfarben setzen sie immer wieder neue Akzente. Purpur, Apricot, Pink, Orange, Dunkelviolett – der Farbenrausch will kein Ende nehmen. Die schwarze Queen of the Night ist ein Highlight in Beet und Vase. Die gekräuselte Papageientulpe, die päonienblütige Dream Touch, die gefranste Cranberry Tristle, die lilienblütige Spring Green oder die sternförmigen, einer Seerose ähnelnden Kaufmanniana-Tulpen zeigen, dass auch die Form der Blüte alles andere als langweilig ist.
Schmuckstück in der Vase
Egal wo Du Deinen Tulpenstrauß gekauft hast, mit einem glatten Cut der Stiele mit einem scharfen Messer bist Du immer auf der sicheren Seite (gilt auch für einen Strauß aus dem Garten). Auch die Blätter solltest Du entfernen, damit sie im Wasser nicht faulen. Bis zu zehn Tage können Tulpen in der Vase halten. Allerdings sollte dafür das Wasser alle zwei Tage gewechselt werden. Dann kannst Du auch die Stiele noch einmal kürzen, was bei dem schnellen Wachstum wieder mehr Fülle bringt. Die pralle Sonne lieben die Pflanzen nicht, eher ein lichtes Plätzchen ohne direkte Strahlung. Auch zu warm sollte es nicht sein. Wer noch länger etwas von den betörenden Blüten haben möchte, kann den Strauß nachts an einen kühlen Ort stellen.
Da komme ich her
Mit zu viel Feuchtigkeit kommt eine Tulpe nur sehr schlecht zurecht. Vielmehr liebt sie einen Winter voller Schnee und Kälte und trockene Sommer – so, wie ihre wilden Verwandten dies in ihrer ursprünglichen Heimat Asien noch heute zu schätzen wissen. Vor vielen hundert Jahren fanden einige davon auf dem Kamelrücken und in Eselskarren den Weg nach Europa. Über mehrere Jahrhunderte machte sie jedoch erst einmal Rast in der Türkei, wo sie bereits im 12. Jahrhundert heiß und innig verehrt und auf Kleidung, Fliesen und Papier verewigt wurde. Die Herrscher des Osmanischen Reichs verstanden sie als Symbol für Macht und Reichtum, so dass sie häufig ihre Turbane zierte.
Luxus pur
Im 16. Jahrhundert brachte schließlich ein Franzose die kostbare Fracht aus der Türkei in die Niederlande:1593 startete die noch heute bekannte Blumenzwiebelkultur in den Niederlanden mit dem Pflanzen der allerersten Tulpenzwiebel. Zunächst waren die Blumen sehr selten – und zugleich einzigartig schön und von einem Charme, der insbesondere die Reichen betörte. Sie waren auch die Einzigen, die sich anfangs die floralen und dazu noch sehr seltenen Schmuckstücke leisten konnten – der pure Luxus und in seiner Hochzeit um ein Vielfaches teurer als Gold. 1633 wurde in den Niederlanden beispielsweise ein ganzes Haus für drei Tulpenzwiebeln verkauft. Dass die Tulpen dort noch heute eine große Rolle spielen, verwundert nicht: Schnell schossen einst die Züchtereien aus dem Boden, heute werden bei unseren Nachbarn mehr als 80 Prozent der Weltproduktion mit über 1200 Sorten kultiviert.
Einfaches Handling
Tulpen brauchen nicht viel Pflege. Als Zwiebelgewächs hat die Pflanze eigentlich schon alles, was sie braucht. Die Geophyten überwintern in der Erde (geos), während oben nach der Blüte die Blätter verwelken. Auch das spätere Erscheinungsbild hängt von der Zwiebel ab: je größer, desto größer auch die Blüte. Da Tulpen im Beet nicht zu viel Feuchtigkeit mögen, muss man ihnen hauptsächlich an heißen Sommertagen wirklich Beachtung schenken und sie ausreichend gießen. Damit Du Dich zeitig im Frühjahr an der Blütenpracht erfreuen kannst, musst Du die Zwiebeln bereits im Herbst in die Erde setzen – und das zweimal so tief wie die Zwiebel groß ist.
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Buchtipp ...
TULPENGLÜCK
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Sarah Stiller | Tulpenglück | Callwey-Verlag 2023